Hoher Besuch im Museum
Arbeitsgemeinschaft deutscher Rotkreuz-Museen tagt in Schlangen

 

Titelseite der Schlänger Zeitung

50 Delegierte der Arbeitsgemeinschaft deutscher Rotkreuz-Museen aus ganz Deutschland haben sich zu ihrer Tagung erstmals in Schlangen getroffen.

Museumsleiter Jürgen Reuter hat sie empfangen.

 

 
Schlangen(SZ).  2016 war die Arbeitsgemeinschaft deutscher Rotkreuz-Museen in der Bundeshauptstadt Berlin zu Gast. Am vergangenen Wochenende zog es die etwa 50 Delegierten zu ihrer jährlichen Tagung nach Schlangen. Die Frage, wie sich das Museum der Zukunft kindgerechter präsentieren kann, war ein Thema.
 

Führende Mitglieder des DRK wie auch der Arbeitsgemeinschaft deutscher Rotkreuz-Museen waren kürzlich in Schlangen zu Gast (von links): Jürgen Reuter (Museumsleiter Rotkreuzgeschichtliche Sammlung in Westf.-Lippe), Bürgermeister Urich Knorr, Carin Hell (stellv. Vorsitzende der Rotkreuzgeschichtlichen Sammlung in Westf.-Lippe), DRK-Ehrenpräsident Prof. Dr. med. Christoph Brückner, Prof. Dr. Rainer Schlösser (Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Rotkreuz-Museen / Leiter der Rotkreuzgeschichtlichen Sammlung in Luckenwalde), Jens Currle (stellv. Sprecher der AG / Leiter Landesrotkreuzmuseum Baden -Württemberg in Geislingen), Dr. Volkmar Schön (Vizepräsident des Deutschen Roten Kreuzes), Prof. Dr. med. Jürgen Bux (Vorsitzender der Rotkreuzgeschichtlichen Sammlung in Westf.-Lippe), Landrat Dr. Axel Lehmann und Günter Herold (stellv. Sprecher der AG / Leiter Rotkreuzmuseum Nürnberg)


Der Auftakt der dreitägigen Veranstaltung hatte hochherrschaftlich mit einem Empfang im Detmolder Schloss begonnen. Ein Höhepunkt des Abends war eine exklusive Schlossführung mit Maria Prinzessin zur Lippe. Sie ist zugleich Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Detmold und Mitglied des Vorstands der Rotkreuzgeschichtlichen Sammlung in Westfalen-Lippe.

Das eigentliche Arbeitstreffen fand tags darauf im Schlänger Bürgerhaus seine Fortsetzung. Dazu konnte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Prof. Rainer Schlösser, auch Bürgermeister Ulrich Knorr und den lippischen Landrat Dr. Axel Lehmann als Ehrengäste begrüßen.

Den Organisatoren der dreitägigen Veranstaltung, dem örtlichen Museumsverein und speziell Museumsvater Jürgen Reuter, sprach Schlösser gleich zu Beginn ein besonderes Lob aus: »Was ihr hier vor Ort auf die Beine gestellt habt, ist wirklich beachtlich.«

Mit nicht nur freundlichen Grußbotschaften wollte es der Ehrenpräsident des Deutschen Roten Kreuzes, Prof. Dr. Christoph Brückner, an diesem Morgen belassen. Im Sinne der Nachhaltigkeit müssten sich die DRK-Museen bundesweit kindgerechter präsentieren. Nur so sei das Wissen und Vermächtnis vergangener Generationen auch in Zukunft zu bewahren.

Brückner fand auch selbstkritische Worte. Das Deutsche Rote Kreuz sei nach Ende der NS-Diktatur 1945 zu schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen. In diesem Zusammenhang erinnerte der DRK-Ehrenpräsident an die Nürnberger Prozesse gegen führende NS-Ärzte (1946/47). Vor dem Gericht hatte sich auch Karl Gebhardt, Leibarzt Heinrich Himmlers, zu verantworten. Ihm wurden zahlreiche medizinische Versuche an KZ-Häftlingen zur Last gelegt.

In seiner Verteidigungsrede, so Brückner, habe der Angeklagte eidesstattlich versichert, seit April 1945 auch Präsident des Deutschen Roten Kreuzes gewesen zu sein. Über Gebhardt, der 1948 hingerichtet wurde, und seine angebliche Tätigkeit für das DRK ist Brückner zufolge bis heute leider nur wenig geforscht worden.

Die Anwesenden waren sich bei der Tagung zudem in diesem Punkt einig: Auf die Historiker und Wissenschaftler warten auch in Zukunft noch zahlreiche wichtige Aufgaben. »Arbeitslos werden auch unsere Museen nicht«, betonte denn auch Professor Jürgen Bux, Vorsitzender der Rotkreuzgeschichtlichen Sammlung in Westfalen-Lippe, und bekam dafür breite Zustimmung.
 

 
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Vier Jubiläen in einem Jahr

Das Rotkreuz-Museum in Schlangen kann in diesem Jahr vier Jubiläen feiern: Vor 20 Jahren, am 8. Mai 1997, eröffnete Jürgen Reuter in seinem Haus in Bad Lippspringe eine erste Ausstellung zur Geschichte des Roten Kreuzes. Vor zehn Jahren dann, am 5. Mai 2007, wurde der Verein Rotkreuzgeschichtliche Sammlung in Westfalen-Lippe gegründet. Vor fünf Jahren zog das Museum am 25. August 2012 von Bad Lippspringe in die Nachbargemeinde nach Schlangen. Ebenfalls vor fünf Jahren, am 4. November 2012, wurde das Museum in den neuen Räumen in der Parkstraße dann auch offiziell eröffnet.


Quelle:

Westfalen-Blatt
Schlänger Zeitung
Schlangen
vom 20. 09. 2017
Fotos: Klaus Karenfeld (1,2)
Klaus-Dieter Beppler (3)