Neues Domizil für das BRK-Museum
Eröffnung verzögert sich

 

NABBURG. Eigentlich hätte das Rotkreuz-Museum im ehemaligen Schwesternwohnheim des Krankenhauses Nabburg im Mai eröffnen sollen – zwei Monate nach dem ursprünglich geplanten Termin. Doch daraus wurde nichts, damals machte der Brandschutz den Betreibern um den Regenstaufer Museumsgründer Gerd Hofbauer einen Strich durch die Rechnung. Jetzt steht fest, dass der Zuwachs für die Museumslandschaft im Landkreis Schwandorf mindestens weitere sechs Monate auf sich warten lässt. Denn der Museumsbestand aus Regenstauf soll jetzt im Krankenhausgebäude selbst untergebracht werden. Die Umbauarbeiten im zweiten Stock laufen bereits, wie Joachim Seliger, stellvertretender BRK-Kreisgeschäftsführer und verantwortlich für den Museums-Umzug, auf Anfrage sagte. Derzeit würden die einstigen Krankenzimmer entkernt. Allerdings werde der Trockenbauer wegen des gegenwärtigen Mangels an Bauhandwerkern erst Ende August anrücken.


Statt ins benachbarte Schwesternwohnheim ziehen die Museumsbestände in das Haupthaus um.

Barrierefrei und einbruchssicher

Doch so ärgerlich die Verzögerung für jene sein mag, die sich über die Geschichte der ältesten Hilfsorganisation im Freistaat Bayern informieren wollen – der neue Standort sei besser geeignet als der ursprünglich geplante, sagt Seliger. Zum einen sei das Museum jetzt in eine lebendige Umgebung eingebunden mit allen Vorteilen für die Besucherfrequenz, zum anderen könne man barrierefreien Zugang und ebensolche Toiletten bieten, was am ursprünglich geplanten Standort unmöglich zu realisieren gewesen wäre. Überhaupt habe sich herausgestellt, dass Sanierung und Unterhalt für diese Räume nicht zu stemmen gewesen wären.

Auch aus energetischen Gründen sei der jetzige Standort die bessere Wahl. Und schließlich habe man auch erkannt, dass die Einbruchsgefahr in einem belebten Gebäude wesentlich geringer sei als in einem Nebengebäude. Mit dem Museum in den zehn Zimmern auf rund 260 Quadratmeter Fläche sei das Haus dann voll belegt, sagt Seliger. Im einstigen Krankenhaus, das der BRK-Kreisverband im Oktober 2015 vom Vorbesitzer, den Asklepios-Kliniken, erworben hatte, sind neben dem Seniorenheim St. Johannes der ambulante Sozialdienst des BRK, der Notarztstandort und sechs Arztpraxen untergebracht. Insgesamt habe das Haus eine erfreuliche Entwicklung erlebt. „Ich bin sicher, dass sich die Ausstellung hier gut präsentieren lässt“, sagt der Projektleiter des BRK-Kreisverbands. Der Museumsverein muss allerdings mit weniger Platz auskommen: Rund 250 Quadratmeter Ausstellungsfläche gibt das Gebäude her. Seliger rechnet mit Kosten von rund 30 000 Euro, getragen vom BRK-Bezirksverband und mehreren Kreisverbänden.

Für das ehemalige Schwesternwohnheim bedeutet der Umzug, dass sich der BRK-Kreisverband von dem Gebäude trennen wird. „Irgendwann wird es zum Verkauf stehen“, sagt Joachim Seliger. Passieren könne derweil nichts, das Gebäude sei bestandsgesichert.

Der Museumsverein aus Regenstauf hat der Verlegung bereits im Juni zugestimmt. Der Verein musste sich im vergangenen Jahr nach einem neuen Domizil für seine umfangreiche Sammlung umsehen, weil das Museumsgebäude in der Schwandorfer Straße in Regenstauf abgerissen wird.

"Es gibt ja keine Alternative“

Auch wenn ein eigenständiges Gebäude der Wunschtraum für das von ihm gegründete Museum ist: Gerd Hofbauer akzeptiert die Entscheidung der Schwandorfer Kollegen. „Es gibt ja keine Alternative“, sagt Hofbauer bei einer Begegnung auf der Museumsbaustelle. Es wäre auch schade, wenn man die Exponate nicht der Nachwelt erhalten könne. Anlässlich des Umzugs wird die Sammlung in „BRK-Museum Ostbayern“ umbenannt und der Förderverein gleich dazu. Viel Arbeit wartet auf dessen 60 Mitglieder, denn im einstigen Schwesternwohnheim stapeln sich schon Kisten mit Exponaten, die nach dem Umbau in den benachbarten Krankenhausbau geschleppt werden müssen.


Im Interview sprach Museumsleiter Gerd Hofbauer im September 2016 über die Schließung

„Aber wir erhalten Unterstützung“, sagt Hofbauer. Froh ist der Museumsgründer über die perfekte Infrastruktur des Hauses, die es zum Beispiel Menschen mit körperlichen Handicaps möglich mache, das im zweiten Stock gelegene Museum zu besuchen. Auch die Möglichkeit, in der ehemaligen Registratur sämtliche Akten und Dokumente unterzubringen, findet Hofbauer perfekt. Ganz frei von Wehmut ist er trotz aller Anstrengungen des BRK-Kreisverbands nicht. Immerhin hatte das Museum in Regenstauf ein eigenes Haus zur Verfügung. Das Wichtigste aber für ihn ist, dass die Bestände gesichert sind. Exponate in fünfstelliger Zahl beherbergt das Museum. Dort werden Themenbereiche gebildet, von der BRK-Bereitschaft über die Ausbildung bis hin zur Aufklärung über die Aufgaben des Roten Kreuzes in einem Filmraum.


Rotkreuz-Museum

Geschichte:

In ganz Deutschland gibt es 15 Rotkreuz-Museen, davon vier in Bayern: neben Nürnberg, mit einer Ausstellungsfläche von etwa 500 Quadratmetern das bundesweit größte, in München, Hofheim und demnächst auch in Nabburg. Mit liebevoll zusammengetragenen historischen wie zeitgenössischen Exponaten und Dokumenten vermitteln sie einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Roten Kreuzes seit der Gründung im Jahre 1863 bis heute.

Exponate:

Gezeigt werden zum Teil nachgebaute, aber auch original erhaltene Transportmittel wie Krankentragen oder Sanitätskutschen, Schwesterntrachten und Dienstuniformen, Ehrenzeichen und Urkunden, Ausrüstungsgegenstände, medizinische Geräte, Plakate und vieles mehr. Eine Arbeitsgemeinschaft vertritt seit November 2000 die Interessen der Rotkreuz-Museen in Deutschland. Die Leiter und Leiterinnen treffen sich jährlich zu einer Tagung.


Quelle:

Mittelbayerische
Region Schwandorf
vom 07. 08. 2017
Foto: Archiv